Japan – Fakten und Denkanstöße zum USD-JPY

Japan hat eine alternde Gesellschaft und um die Renten weiterhin bezahlen zu können müssen die Pensionsfonds die nächsten Jahre einen Teil Japanischer Anleihen verkaufen. Das lässt die Preise der Anleihen sinken und die Zinsen ansteigen.

Japan hat den höchsten Verschuldungsgrad von über 235% des Bruttoinlandsprodukts. Grundsätzlich würden daher steigende Zinsen in Japan die Kosten für Zinszahlungen nach oben schnellen lassen. Die Antwort warum Japan mit einer solch hohen Verschuldung noch klarkommt ist: Ein Großteil der Japanischen Anleihen werden von der inländischen Bevölkerung gehalten. Japan braucht derzeit keine ausländischen Investoren um seine Schulden zu finanzieren. Wächst der Schuldenberg jedoch weiter, ist Japan irgendwann ebenfalls auf ausländische Investoren angewiesen. Diese verlangen dann aber deutlich höhere Risikoaufschläge als zurzeit, was Zinsanstiege zur Folge hätte. Aus diesem Grund ist die Japanische Handelsbilanz ein äußerst wichtiger Parameter für die nächsten Monate. Je höher die Defizite, desto schwieriger die fiskalische Situation. Höhere Zinszahlungen bei hoher Verschuldung wären Gift für den Japanischen Haushalt.

Seit dem großen Knall des Aktienbooms in den 90er Jahren herrscht in Japan ein deflationärer Zustand, einem Zusammenspiel aus sinkenden Preisen und Löhnen bei wirtschaftlicher Stagnation. Sämtliche Maßnahmen dies zu beseitigen schlugen bislang fehl. Man spricht auch von einem verlorenen Jahrzehnt. Sollte es der neuen Regierung gelingen, in Japan die Wirtschaft in Schwung zu bringen, steigen die Aktienmärkte wieder. Dies wäre für viele Investoren ein Grund das Kapital vom Anleihenmarkt in den Aktienmarkt zu stecken. Auch dadurch würden die Anleihenmärkte fallen und die Zinsen ansteigen.

Seit Japan nach dem Atomunglück beschloss weniger atomare Energie zu verwenden, muss mehr Energie importiert werden. Vor allem Kohle, Gas und Öl. Dadurch verlässt mehr Geld das Land und belastet die Handelsbilanz.

Die neue Regierung die seit Ende 2012 an der Macht ist, hat bereits angekündigt, das Inflationsziel auf 2% anzuheben und die Geldpolitik weiter zu lockern um die Wirtschaft anzukurbeln. Das bedeutet mehr Schulden und es ist gewiss nur eine Frage der Zeit, bis die Ratingagenturen diese Entwicklung mit weiteren Herabstufungen quittieren. Der Japanische Yen als „Sicherer Hafen“ verliert damit zunehmend an Bedeutung.

Der neue Premierminister Shinzō Abe will einen öffentlich-privaten Fonds gründen, der ausländische, vor allem europäische Anleihen kaufen soll. Das Ziel ist den Yen zu schwächen um die Exporte zu stützen.

Einer der Hauptgründe für die starke Aufwertung des Yens in den letzten Jahren war die schwache US-Wirtschaft mit fallenden US-Zinsen. Die hohe Korrelation zwischen den US-Zinsen und dem Japanischen Yen ist weit reichend bekannt. Wer also auf einen nachhaltigen Aufwärtstrend bei USD-JPY setzt, geht davon aus, dass die US-Wirtschaft weiter zulegt und die Niedrigzinsphase dem Ende zugeht.

Wer auf der anderen Seite prognostiziert, dass die Yen Schwächung erneut fehlschlägt, wie so viele Male zuvor, der glaubt daran dass die US-Wirtschaft erneut in die Rezession abdriftet und die Zinsen erneut fallen werden. Man mag sich fragen weshalb überhaupt in den letzten Wochen die Anleihen fallen (die Zinsen steigen), obwohl die Fed monatlich 85 Mrd. aufkauft. Dies geschieht, da sich die Investoren zunehmend über die Folgen dieser Geldpolitik bewusst werden und daher beginnen die US-Staatanleihen mit langen Laufzeiten abzustoßen, daher steigen die Zinsen.

Dieses Szenario macht klar, dass die USA als Wachstumsmotor zum großen Teil mitbestimmen, was mit der Japanischen Wirtschaft und dem Japanischen Yen passieren wird. Unabhängig davon versucht Japan gegen den deflationären Zustand und den starken Yen anzukämpfen, jedoch seit Jahren ohne Erfolg, da die Fed stets expansiver ausgerichtet war als die Japanische Notenbank was auch in die Kategorie Währungskrieg eingeordnet werden kann. Aktuell wertete der Yen jedoch tatsächlich enorm ab. Zum einen weil die US-Zinsen aus zuvor genannten Gründen, am langen Ende stiegen und zum zweiten, weil die neue Japanische Regierung angekündigt hat, die Yen Stärke massiv zu bekämpfen. Die Renditen Japanischer Anleihen haben sich jedoch bisher nicht bewegt. Wer bisher auf den Zug aufgesprungen ist, sind die Spekulanten, welche nun enorme Kontrakte gegen den Yen aufgebaut haben. Solange sich die US-Zinsen nicht weiter nach oben bewegen, bzw. die Yen Zinsen nicht weiter sinken (durch massive Anleihenkäufe der Japanischen Notenbank) bleiben hohe USD-JPY Kurse kurzfristig eine Spekulation mit der Gefahr für deutliche Rücksetzer. Langfristig wird der Yen seine Abwertung fortsetzen, da die Niedrigzinsphase tatsächlich spätestens 2014 / 2015 zu Ende geht.